Tee auf dem Mond

Der Schlaf sucht die Kinder nicht heim, wildes Toben, müde Eltern. Dann eine kleine Traumreise zum Mond. Ein Kind schläft, das andere wacht, aber es gibt ja noch Papa und so kann Mama eine kleine Geschichte schreiben und lädt nun zum Tee am Mond:

Tee auf dem Mond

Der Mondmann saß in seinem Teepavillon und blickte wehmütig über die weiße, weite Mondlandschaft hinweg. In seiner Hand hielt er eine langstielige Pfeife aus der weißer Rauch zum dunklen Himmel aufstieg. Ab und zu schwebte aus dem Rauch eine Seifenblase auf. Auf dem kleinen, runden Marmortisch vor ihm stand eine gusseiserne Kanne mit dampfendem Tee – daneben zwei irdene Tassen, schwarz und irisierend. Die Tasse des Mondmannes war fast leer, die seines Gegenübers war randvoll, unberührt. Der Mondmann wandte sich wieder seinem Gast zu und fragte: „Und ich kann Sie wirklich nicht zu einer Tasse Tee überreden? Bester Mondtee mit Milch von glücklichen Mondkälbern?“ Der Astronaut schüttelte den Kopf und deutete auf seinen Helm. „Verstehe, Sie können ihn nicht abnehmen, weil Sie dann ersticken würden, wie ich annehme?“ Der Astronaut nickte stumm. Der Mondmann seufzte: „Ihre Wissenschaft macht Träume wahr und wahre Wunder unmöglich.“ „Tee auf dem Mond“ weiterlesen

Die Maus und die Schneeeule

Das alte Jahr ist mit Raketenkrach und Walzertönen ausgetrieben worden, das neue Jahr kriecht langsam aus dem Nebel hervor.

Möge es für euch alle eine glückliches Jahr werden! Ich kenne nicht viele Märchen und Erzählungen zum Jahreswechsel, drum poste ich hier für euch eine Fabel, die ich letzte Woche geschrieben habe. Sie basiert auf einem Bild, das in mir aufstieg, als der Vollmond durch unser Schlafzimmerfenster schien, und rasend schnelle Wolken eine Art Schattentheater vor seinem Licht aufführten. Außerdem basiert sie auf einem Lied, das ich sehr liebe – das auch gut zu dieser Zeit der Wandlungen passt. Wer dieses Lied erkennt, der weiss, um welche Stadt mit vielen Türmen es sich am Ende der Geschichte handelt.

Aber nun genug – eine frohes, neues Jahr euch allen und Vorhang auf für:

Die Maus und die Schneeeule

„Da wärest du nun beinahe vom Waldkauz gefressen worden, was?“ krächzte die alte Eule der kleinen Waldmaus zu, die neben ihr auf einem Ast hoch oben in einer Fichte saß. Ihre Silhouetten zeichneten sich vor dem Licht des winterlichen Vollmondes ab. Die kleine Maus blickte zur Eule auf: „Und nun werde ich etwa nicht gefressen?“  „Was meinst du, meine kleine Maus?“ fragte die alte Eule. „Ich denke nicht,“ gab das Mäuslein zurück. Die Eule lachte ein kehliges Lachen: „So,so, das denkst du also – und warum nicht?“ „Weil du mich dann schon längst gefressen hättest.“ Die Augen der Eule funkelten: „Vielleicht überlege ich es mir ja noch, nicht wahr?“ Die Maus verstummte. Beide schauten sich schweigend an. Es war die Eule, die als erstes ihren Blick abwandte. Sie blickte auf die Schnee bedeckte Landschaft vor sich. Dann seufzte sie: „Keine Angst, kleine Maus, ich werde dich nicht fressen.“ Und weil ihrem Satz nichts weiteres folgte, fragte die Maus mit leiser Stimme: „Warum hast du mich dann vor dem Waldkauz gerettet?“ „Warum…“ wiederholte die Eule, „Warum, warum , warum….“ Nach einer weiteren Pause antwortete sie: „Warum, kleine Maus, hast du keine Angst vor mir, hm? Warum läufst du nicht davon, sag mir das!“ Die Maus blickte verlegen: „Ich weiß nicht…“ „Die Maus und die Schneeeule“ weiterlesen

Weiß wie Schnee – ein Wintermärchen

Der Winter ist für mich immer eine geheimnisvolle Zeit, die Zeit der Märchen. Winter, Schnee, Raben, das alles scheint in meinem Kopf dicht verwoben und sind Stoff für mein Gedankentheater. Diesmal möchte ich eine meiner Geschichten mit euch teilen. So eine Art Vorweihnachtsgeschenk von mir an euch. Vorlage für die Kurzgeschichte ist ein altbekanntes Märchen – allerdings ohne die eigentliche Hauptprotagonistin. Die Geschichte schrieb sich erstaunlich schnell.

Eine schöne, magische Winterszeit wünscht euch,

eure Elisa

Weiß wie Schnee – ein Wintermärchen von Elisa Wagner

In ihrer Kammer hoch oben im Turm saß die Königin an ihrem Fenster und blickte hinaus in die weite Schneelandschaft. In ihren Händen hielt sie einen Stickrahmen. Mit goldenem Faden hatte sie unter das königliche Wappen die Initialen ihres Gatten und ihre eigenen verschlungen zu einem Liebesknoten gestickt. Aber in der königlichen Kammer war es kalt. „Kalt wie mein königlicher Gatte,“ dachte sie. Ihre Hände zitterten, während sie stickte. Da stach sie sich in den Finger und Blut tropfte herab. Sie ging zum Fenster, das offen stand, der Grund für die Kälte. Sie zog ihren Wollumhang fester um sich. Ihr widerstrebte es sehr, das Fenster zu schließen. „Wie gerne wäre ich frei,“ dachte sie. In der Ferne zog ein Schwarm Vögel vorbei und sie streckte ihre Hand in ihre Richtung aus: „Nehmt mich doch mit!“ Dann ließ sie die Hand sinken und stützte sich auf das Fensterbrett. Da entdeckte sie, dass Blut von ihrem Finger auf das verschneite Fensterbrett herab getropft war. „Wie schön,“ dachte sie, „Ach, hätte ich doch ein Kind mit Lippen Rot wie Blut, Haut Weiß wie Schnee und Haaren…“ Doch weiter kamen ihre Gedanken nicht, in diesem Augenblick landete ein Rabe auf ihrem Fensterbrett, genau neben ihrer Hand. „Weiß wie Schnee – ein Wintermärchen“ weiterlesen

Memento Mori – Ambros, Autotürgriffe & Erlkönig

So humorvoll war die Salonzusammenkunft schon lange nicht mehr. Vermutlich forderte das Thema „Memento Mori“ dazu heraus. Quasi Humor als menschlicher Überlebenstrieb angesichts der eigenen Vergänglichkeit. Zur Einstimmung gab es am Samstag davor wie angekündigt eine Führung zum Thema durch die Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, die zu einem gemütlichen Spaziergang durch die Abteilung der niederländischen und deutschen Malerei der Renaissance und Barockzeit wurde. Der kunsthistorische Exkurs wurde angereichert von persönlichen Eindrücken und Erlebnissen.

Am Sonntag war dann der eigentliche Salontag. Überrascht war ich, als es bereits um 11 Uhr an der Tür klingelte und das Duo Max und Michael vor der Tür stand. Hatte ich in der Einladung doch tatsächlich die falsche Uhrzeit geschrieben… Schande über mich. Einige Telefonanrufe später war alles wieder klar gestellt.

„Memento Mori – Ambros, Autotürgriffe & Erlkönig“ weiterlesen

Der Löwe mit dem Menschengesicht

Heute früh beim Durchstöbern alter Fotos, wobei mir Noah sehr behiflich war, entdeckte ich in einem alten Notizblock mit Notizen zu meiner Diplomarbeit diese Kurzgeschichte. Ich erinnerte mich, dass mir während meiner Recherchen zum Thema „Paradieslandschaft im frühen 17. Jahrhundert“ immer wieder aufgefallen war, wie menschlich die Gesichtszüge mancher Tiere in diesen Landschaften aussahen, vor allem die Löwen schienen besonders menschliche Augen zu haben. Diese Entdeckung regte mich schließlich zu dieser Erzählung eines alten, gefangenen Löwen an. Vom Stil her hatte ich wohl Märchen von Oscar Wilde in Erinnerung.

Der Löwe mit dem Menschengesicht

Der Löwe mit dem Menschengesicht ging Stunde um Stunde im Kreis. Er zog seine Bahnen im Käfig wie ein Planet um einen Stern, ohne Ziel scheinbar konstant bis in alle Ewigkeit, immer wieder am Ausgangspunkt seiner Reise ankommend. Hin und wieder hob er den Kopf, blickte verächtlich und widerwillig auf die glotzende Menge, die auf sein Brüllen wartete – und ab und zu, wenn es ihm am effektvollsten schien, öffnete er sein großes Maul mit den noch immer sehr scharfen Zähnen und ließ das gaffende Volk seine durchdringende, tiefe Stimme hören, deren Klang sie beeindruckte, deren Sprache sie aber nicht verstanden.

Die komplette Geschichte kannst du hier herunterladen: Der Löwe mit dem Menschengesicht

Sie ist vielleicht ein wenig traurig ausgefallen, ich wünsche euch aber trotzdem viel Spass beim Lesen!

Eure Elisa