Memento Mori – Ambros, Autotürgriffe & Erlkönig

So humorvoll war die Salonzusammenkunft schon lange nicht mehr. Vermutlich forderte das Thema „Memento Mori“ dazu heraus. Quasi Humor als menschlicher Überlebenstrieb angesichts der eigenen Vergänglichkeit. Zur Einstimmung gab es am Samstag davor wie angekündigt eine Führung zum Thema durch die Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, die zu einem gemütlichen Spaziergang durch die Abteilung der niederländischen und deutschen Malerei der Renaissance und Barockzeit wurde. Der kunsthistorische Exkurs wurde angereichert von persönlichen Eindrücken und Erlebnissen.

Am Sonntag war dann der eigentliche Salontag. Überrascht war ich, als es bereits um 11 Uhr an der Tür klingelte und das Duo Max und Michael vor der Tür stand. Hatte ich in der Einladung doch tatsächlich die falsche Uhrzeit geschrieben… Schande über mich. Einige Telefonanrufe später war alles wieder klar gestellt.

Am Nachmittag ging es dann wirklich los. Nach einem Überfall aufs kalte Büffet, wobei Apfelkuchen (danke, Sean!) und Käsebrote die ausgehungerten Gäste in einen auch fürs Kulturelle aufnahmefähigen Zustand versetzten, ging es dann zum Programm über. [cref das-gummibarchen-marchen-2 „Das Gummibärchen- Märchen“] machte den Anfang und war erstaunlicherweise den meisten schon bekannt, da es ja bereits gepostet war. Wer nach der Moral in dieser Hans-Christian-Andersen-Hommage sucht, hier folgt sie auf dem Fuß: Essen gehört gegessen. Die zweite Geschichte [cref der-lowe-mit-dem-menschengesicht „Der Löwe mit dem Menschengesicht] (mein Oscar-Wilde-Märchen) war den meisten noch unbekannt. Ich finde es schön, dass diese Erzählung bei euch gut angekommen ist.

Musik sollte diesmal eine besondere Rolle spielen. Gerhard Lechner und Max Sahliger improvisierten und gaben makabere Lieder mit einem Schuss Galgenhumor von Wolfgang Ambros zum Besten. Um genau zu sein, handelte es sich um Lieder seiner ersten LP von 1972 („alles andere zählt net mehr“ ). Für die, die es genau wissen wollen, hier die Liste der Spontan- Ambros-Session:

De oidn Leit

Der Baum

De Bruckn

Aun so an Plotz

Und weil Gerhard und Max mit ihrem Enthusiasmus und Ausdrucksgabe durchaus sehenswert sind, wurde live mit der Kamera meines/Seans iphone mitgeschnitten, die Links führen euch zu den Videos auf YouTube. Besonders goldig ist auch die Szene, wo Noah die beiden Herren mit seinem kleinen Besen dirigiert 😉

Musikalisch ging es auch weiter. Mir zuliebe wurde das Partisanenlied „Bella Ciao“ gesungen und schließlich  nach einer kabarettistisch-musikalischen Einlage Gerhards, der ein russisches Lied der Band DDT über den Tod mit einer originellen Einleitung versah, folgte der anspruchsvolle Höhepunkt des Nachmittags mit einer Vorführung der Schubert-Lieder „Der Tod und das Mädchen“ und „Der Erlkönig“. Wobei uns Max mit seinem Stimmvolumen überraschte und Michi als Korrepetitor am Klavier mit seiner Improvisationsgabe und auch Geduld 😉 Auch hier zu könnt ihr in den nächsten Tagen das Video auf YouTube finden. Vom „Erlkönig“ inspiriert las uns Robert noch einen Artikel zu den mythologischen Ursprüngen des Erlenkönigs vor, der über Sagengestalten der dänischen, britischen Folklore zunächst zu griechischen Göttinen und schließlich zur Urmutter der Dämonen und ersten Frau Adams Lilith führen sollte.

Uly Paya, der leider aufgrund einer Unpässlichkeit, nicht vor Ort sein konnte, steuerte den ersten SMS-Beitrag der Salongeschichte bei und stellte die Frage, ob eine Idee mit dem Künstler stirbt oder nicht. Eine durchaus interessante und berechtigte Frage, deren tiefere Diskussion – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – durch meinen Ausruf: „Aber natürlich nicht!“ im Keim erstickt wurde. Ich bitte euch an dieser Stelle, die Diskussion wieder aufzunehmen, denn so natürlich nicht ist das ja doch nicht…

So kamen wir vom Wissenschaftlichen zum Philosophischen und schließlich zum Absurden – denn wie war noch die Geschichte vom türkischen Autotürgriff, der uns alle um 500 Jahre überleben wird und deswegen keine Probleme mit seinen Urheberrechten haben wird? Aber dafür musste man wirklich vor Ort gewesen sein.

Wie auch immer, es war ein durchaus amüsanter, aber auch tiefgehender Salonnachmittag, der einige unerwartete Momente zu bieten hatte, aber dafür ist der Salon ja da. Ach ja, sagt’s, Gerhard und Max, wie wär es mit einem musikalischen Kabarettabend?

Ich danke, dass ihr da wart bzw. den Eintrag wirklich lest.

Alles Liebe,

eure Elisa

Salonteilnehmer: Lilly Wagner, Markus Schieder, Gerhard Lechner, Max Sahliger, Michael Siskov, Sean Grünböck, Noah Angelo Wagner, Robert Scheiber, Elisa Maria Wagner

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